Atemschutzbelastungsübung

Die Feuerwehr ist nicht nur bei Einsätzen tätig, denn um für die Einsätze gut vorbereitet zu sein, finden regelmäßige Übungen statt. Dazu gehören neben dem normalen Übungsdienst auch spezielle Atemschutzübungen. Eine sogar gesetzlich vorgeschriebene Übung ist eine sogenannte "Atemschutzbelastungsübung" in einer Atemschutzübungsstrecke. Diese Übung muss jeder Atemschutzgeräteträger mindestens einmal pro Jahr erfolgreich absolvieren. Wir möchten Ihnen im Weiteren einmal zeigen, wie eine solche Übung abläuft.

Die Belastungsübung beginnt mit 20m Endlosleiter. Die Endlosleiter ist vergleichbar mit einer Rolltreppe, nur, dass der Geräteträger nicht gefahren wird, sondern gegen die sich ständig drehende Leiter anklettern muß. Dann folgen Fahrradfahren und ein Oberarmergometer (Fahrradfahren mit den Armen).

Danach kommt eine Übung in der eigentlichen Strecke. Die Strecke besteht aus mehreren aufeinanderfolgenden Gitterboxen, die leicht umgebaut werden können, um bei jeder Übung einen anderen Weg vorzugeben. Dies dient dazu, die Orientierungsfähigkeiten der Geräteträger in unbekannten Räumen zu schulen.
Um die Übung möglichst realistisch zu gestalten, kann die Strecke mit künstlichem Nebel geflutet werden. Dieser behindert die Sicht ähnlich dem Brandrauch bei einem richtigen Einsatz.

Das folgende Foto soll Ihnen einen Eindruck von den Sichtverhältnissen im Einsatz vermitteln. Der einzige Unterschied zu Brandrauch ist, dass dieser nicht weiß, sondern dunkel ist.

Alle Gegenstände, die nah genug sind, sind zu erkennen, z.B. die Gitter links im Bild. Alle entfernteren Gegenstände sind nicht zu sehen, sogar Lichtquellen sind nur schwer zu erkennen. An der markierten Stelle befindet sich z.B. eine Wegbeleuchtung.

Während beim vorherigen Foto das Licht in der Anlage noch eingeschaltet war, wird es bei den Übungen meistens ausgeschaltet, um die Situation noch weiter zu erschweren. Dann erkennt man nur noch die Wärmestrahler, mit denen die Anlage auf einsatzähnliche Temperaturen erwärmt werden kann, diese sieht man aber nur, wenn man nah genug an sie heran kommt.

In dieser Dunkelheit können sich die Geräteträger nur durch Ertasten den Weg suchen. Die weiteren Bilder sind nur durch das Blitzlicht erhellt, für die Geräteträger ist die Strecke also absolut dunkel. Die helle Unschärfe kommt durch den Nebel.

Die Strecke bietet viele Hindernisse. Enge Durchgänge fordern, dass der Geräteträger unter ihnen durchkriecht oder über sie klettert. Manche Stellen sind so eng, dass der Geräteträger das Gerät vom Rücken abnehmen muss und es dann vor sich her schieben oder hinter sich ziehen muss.


Klappen und Löcher in Decken und Böden erfordern die ständige Aufmerksamkeit der Geräteträger, die ihren Weg abtasten müssen, um in der Dunkelkeit nicht plötzlich in einen Schacht zu fallen.


Ein besonderes Hindernis der Strecke besteht aus einem ca. 3m langen Rohr. Das Rohr ist so eng, dass man sich darin nicht drehen kann. Krabbelt man mit aufgezogenem Gerät, verbleiben nur wenige cm zwischen Körper und Rohr. Dieses Hindernis soll zeigen, ob Geräteträger ein Problem mit Platzangst haben oder auch solche Situationen problemlos meistern.

Die eigentliche Übungsaufgabe bestand in der Rettung einer Person. Dazu wird ein ca. 90kg schwerer Dummy verwendet. Der Transport des Dummys durch die Hindernisse ist sehr anstrengend und die Geräteträger verbrauchen dadurch mehr Luft aus ihren Atemschutzgeräten. In einer Atemluftflasche sind ca. 1600l normale Luft komprimiert. Wie lange dieser Vorrat reicht, ist abhängig vom Geräteträger und von der von ihm verrichteten Arbeit.

Die Einsatzzeit eines Atemschutzgerätes ist somit begrenzt auf 20 bis 40 Minuten. Der Druck in der Atemluftflasche muss regelmäßig durch den Geräteträger überprüft werden. Deshalb ist es wichtig, dass der Geräteträger im Stress des Einsatzes sein Zeitgefühl nicht verliert.



Auch beim Rückweg sind Stangen im Weg, um die die Geräteträger jetzt auch den ungelenkigen Dummy transportieren müssen.


Das Rohr wird jetzt problematisch, da man nicht gemeinsam mit dem Dummy hineinpasst, das Rohr aber auch so lang ist, dass man ihn nicht einfach durchschieben kann.


Der Transport des Dummys durch die Luken nach oben ist ebenfalls besonders schwierg, da der Geräteträger von unten den Dummy nur schwer hochheben kann, und so der Geräteträger, der oben steht, das 90kg-Gewicht alleine heben und dann halten muss. Da sich an die Luke direkt noch eine kleine Leiter anschließt, wird dies zu einem großen Kraftakt.
Während dieser ganzen Belastungen und Stressfaktoren muss der Geräteträger trotzdem sicher mit seinem Gerät umgehen und alle Vorsichtsregeln befolgen.

Die ganze Übung wird von diesem Kontrollpult aus überwacht. Die Position des Geräteträgers wird in der gesamten Strecke durch Lichtschranken überwacht. Über eine bewegliche Kamera kann das Vorgehen genau beobachtet werden. Dies ermöglicht dem Ausbilder, mögliche Fehler beim Vorgehen zu erkennen und nachher ansprechen zu können. Sollte es zu Problemem kommen, kann Licht in der gesamten Strecke eingeschaltet werden und durch einen Lüfter die Strecke innerhalb von Sekunden rauch-/nebelfrei gemacht werden. Außerdem lassen sich alle Gitter aushängen, ein eventuell verunfallter oder in Panik geratener Atemschutzgeräteträger braucht so nicht durch die gesamte Strecke zurück transportiert zu werden. Diese Sicherheitsmaßnahmen sind nötig, da die Strecke zur Ausbildung von neuen Geräteträgern dient und die fertig ausgebildeten Gerätetäger bei den Belastungsübungen bis dicht an ihre Grenze gehen sollen.