Gefahrgutübung 2006

Am Samstag, dem 04. November 2006, fand um 14.07 Uhr eine GSG-Gesamt-übung statt. Bei einer inzwischen regelmäßig stattfindenden Gesamtübung arbeiten die GSG-Einheiten (alle Feuerwehrleute mit einer speziellen Ausbildung im Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern) der Städte Geilenkirchen und Übach-Palenberg und der Gemeinde Gangelt zusammen. Diese Kooperation ist auch für den Einsatzfall geplant, da eine einzelne Stadt oder Gemeinde kaum ausreichend Material und gut ausgebildetes Personal für einen Einsatz mit Gefahrstoffen vorhalten kann.

Als Übungslage wurde angenommen, dass ein Staplerfahrer eines Getränkevertriebsunternehmens aus Geilenkirchen aus unbekannten Gründen bewusstlos geworden ist und mit dem Stapler einen LKW-Anhänger gerammt hat. Durch den Zusammenstoß fiel der Fahrer vom Stapler und kam darunter zu liegen. Auf dem Anhänger fielen einige Gefahrgutbehälter um und setzten Gefahrgüter frei. Zwei der freigesetzten Stoffe reagierten dabei miteinander und bildeten einen weißlichen Rauch. Ein Arbeitskollege des verunglückten Staplerfahrers bemerkte dies und alarmierte die Feuerwehr unter Hinweis auf die Gefahrstoffe. Um welche Stoffe es sich handelt, konnte er jedoch nicht sagen.

Die diesjähre Gesamtübung war als Alarmübung geplant, d.h. die Feuerwehrkameraden wussten nur, dass im Jahr 2006 eine Übung stattfindet, aber weder der Tag, Uhrzeit noch Ort oder Art der Übung waren bekannt. Die Alarmierung erfolgte über Funkmeldeempfänger ohne Hinweis auf eine Übung. Dadurch ist es möglich, realistische Eintreffzeiten der einzelnen Fahrzeuge zu ermitteln, da die Fahrten unter realistischen Bedingungen erfolgen.

Außerdem konnten bei dieser Übung die Konzepte zur Bewältigung solcher Einsatzlagen erprobt werden und Stärken und Schwächen der Vorgehensweisen analysiert werden, da es sich um eine Übung handelte, die so noch nie geübt wurde.

Während sich die Kräfte aus Übach-Palenberg und Gangelt noch auf der Anfahrt befanden, trafen die Einsatzkräfte des Geilenkirchener Umweltschutzzuges die ersten Maßnahmen.

So wurde ein Trupp mit Chemikalienschutzanzügen ausgerüstet. Ein Chemikalienschutzanzug wird über die normale Schutzkleidung gezogen. Es ist ein einteiliger Anzug, der mit den Stiefeln und Handschuhen fest verbunden ist. Der Anzug wird mit einem gasdichten Reißverschluß verschlossen, und der Träger ist dann vollkommen von der Außenwelt getrennt. Als Luftvorrat dient ihm ein normales Atemschutzgerät, das mit unter dem Anzug getragen wird. Das Vorgehen unter einem Chemikalien-schutzanzug ist eine der belastendsten Tätigkeiten bei der Feuerwehr, da unter dem Anzug die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt ist und der Körper durch den Wärmestau beeinträchtigt wird. Das zusätzliche Gewicht und die Einengung des Gesichtsfeldes machen jede - sonst einfache - Tätigkeit erheblich schwerer. Die maximale Einsatzzeit beträgt durch die begrenzte Luftmenge und die besonderen Belastungen maximal 20-30 Minuten, danach ist der Trupp durch einen anderen abzulösen. Bis dahin muss ein Dokontaminationsplatz aufgebaut sein, der dazu dient, die Anzüge soweit zu reinigen, dass die Feuerwehrleute sie wieder gefahrlos verlassen können.

Zur Brandprävention werden drei verschiedene Löschmittel vorbereitet, da man Reaktionen eines Löschmittels mit einem Gefahrgut nicht ausschließen kann und dann ein anderes Löschmittel verwendet werden muss.

 

 

Die unter Chemikalienschutzanzügen vorgehenden Trupps retteten den bewusstlosen Staplerfahrer und erkundeten dann den Anhänger. Zahlreiche Paletten versperrten zunächst die Ladefläche, wurden dann aber duch die Angriffstrupps zu einer "Treppe" gestapelt und erleichterten im Folgenden den Zutritt zur Ladefläche. Die Trupps meldeten ihre Beobachtungen über ihre Gruppenführer an die Einsatzleitung. Mit diesen Angaben wurde dann in Nachschlagewerken recherchiert, welche Gefahren von den Stoffen ausgehen.

Da laut den Rückmeldungen zwei Stoffe miteinander reagierten, wurde Kontakt mit "TUIS" aufgenommen. "TUIS" bedeutet "Transport-Unfall-Informations-System" und ist ein Dienst der chemischen Industrie, um die Feuerwehren zu unterstützen. In der ersten Stufe steht dann ein erfahrener Chemiker der Einsatzleitung beratend zur Seite und liefert Informationen zu Gefahren und Beständigkeiten der Schutzausrüstung. Verfügen die lokalen Feuerwehren bei speziellen Einsätzen nicht über genügend Geräte oder wird sehr spezielles Gerät benötigt, wird dies ebenfalls über TUIS zur Einsatzstelle geführt.
Als weiterer Übungsteil wurde ein Unfall bei einem Angriffstruppmann angenommen. Dieser wurde dann von seinen Kameraden aus dem Gefahrenbereich gebracht und im Dekonplatz notdürftig dekontaminiert. Erst danach kann er aus dem Chemikalienschutzanzug geholt werden und dem Rettungsdienst übergeben werden.
Zum Abschluss der Übung fand eine Besprechung der Einsatzlage statt, bei der die beteiligten Einsatzkräfte den Übungsaufbau sehen konnten. Bis dahin hatten nur die Angriffstrupps die nachgestellte Situation gesehen. Die Einsatzleitung war auf die Schilderungen der vorgegangenen Trupps angewiesen.


Die Wehrleiter der Städte Geilenkirchen und Übach-Palenberg und der Gemeinde Gangelt, die die Übung beobachtet hatten, zeigten sich mit den Abläufen sehr zufrieden.

Fotos: Simon Esser
Text: Frank Lauter

Artikel der Geilenkirchener Zeitung zur Gesamtübung vom 07.11.06