Gefahrgut-Transportunfall-Übung 2002
im neuen Industriegebiet (alte Selfkantkaserne)

Am Samstag, dem 27. April 2002, fand um 15.00 Uhr die GSG-Übung auf dem ehemaligen Kasernengelände in Niederheid statt. Daran beteiligt waren die Löscheinheiten Tripsrath, Niederheid und Gillrath-Hatterath sowie die GSG-Einheiten (alle Feuerwehrleute mit einer speziellen Ausbildung im Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern) der Stadt Geilenkirchen, Übach-Palenberg und der Gemeinde Gangelt.

Als Übungslage wurde angenommen, dass es durch die Unaufmerksamkeit eines LKW-Fahrers zu einem Verkehrsunfall mit einem PKW auf der Leopold-Hoesch-Straße gekommen ist. Dabei wurde ein Straßenbeleuchtungsmast so schwer beschädigt, dass er umknickte und auf das Dach des PKWs fiel.

Übungslage

Ein Anwohner informiert die Leitstelle über den Unfall. Aufgrund der unklaren Beschreibung alarmiert die Leitstelle zunächst die Löscheinheiten Tripsrath, Niederheid und Gillrath-Hatterath zu einem Verkehrsunfall. Beim Eintreffen der ersten Kräfte der Löscheinheit Niederheid schildert der Anwohner, dass er versucht habe, die Person aus dem LKW zu befreien, aber nicht zum LKW vorgehen konnte, da er Atemprobleme und starkes Brennen auf der Haut gespürt hätte. Bei der weiteren Erkundung durch den Einsatzleiter wird festgestellt, dass der LKW Gefahrstoffe transportiert, und nach Rückmeldung an die Leitstelle wird GSG 2 - Alarm ausgelöst. Dadurch werden neben den eigenen GSG-Kräften zur Verstärkung auch die GSG-Einheiten aus den benachbarten Kommunen Übach-Palenberg und Gangelt alarmiert.

Die Löscheinheit Niederheid sichert die Übungsstelle großräumig ab und bereitet einen dreifachen Löschangriff (Wasser, Pulver und Schaum) vor.

Der erste Angriffstrupp der Löscheinheit Tripsrath geht mit Atemschutz zur Menschenrettung vor. Der LKW-Fahrer kann durch sie befreit werden

und wird dem Rettungsdienst übergeben. Der Versuch, den PKW-Fahrer zu befreien, scheitert, da dieser im PKW eingeklemmt ist und nur mit Rettungsschere und Spreitzer befreit werden kann. Der Einsatz ohne weitere Schutzausrüstung kann aber bei der unklaren Lage nicht verantwortet werden, deshalb verschafft sich der Angriffstrupp noch einen kurzen Überblick über die Gefahrstoffe und verläßt dann umgehend den Gefahrenbereich.

Alle weiteren Maßnahmen im Gefahrenbereich können nur noch mit spezieller Schutzausrüstung durchgeführt werden. Alle anderen Kräfte ohne Chemikalienschutzanzug müssen sich möglichst weit entfernt halten. Als groben Richtwert geht man zunächst von einem Sicherheitsabstand von 50 m aus.

Dabei ist besonders die Windrichtung zu beachten, um nicht in einer eventuell vorhandenen Schadstoffwolke zu stehen. Zur ständigen Überprüfung der Windrichtung wurde am Gillrather Löschgruppenfahrzeug eine Windmeßeinrichtung aufgebaut.

Die GSG-Enheiten rüsten zwischen- zeitlich jeweils einen Trupp mit Chemikalienschutzanzügen aus. Ein Chemikalienschutzanzug wird über die normale Schutzkleidung gezogen. Es ist ein einteiliger Anzug, der mit den Stiefeln und Handschuhen fest verbunden ist. Der Anzug wird mit einem gasdichten Reißverschluß verschlossen, und der Träger ist dann vollkommen von der Außenwelt getrennt.

Als Luftvorrat dient ihm ein normales Atemschutzgerät, das mit unter dem Anzug getragen wird. Das Vorgehen unter einem Chemikalienschutzanzug ist eine der belastendsten Tätigkeiten bei der Feuerwehr, da unter dem Anzug die Bewegungsfreiheit sehr stark eingeschränkt ist und der Körper durch den Wärmestau beeinträchtigt wird. Das zusätzliche Gewicht und die Einengung des Gesichtsfeldes machen jede - sonst einfache - Tätigkeit erheblich schwerer. Die maximale Einsatzzeit beträgt durch die begrenzte Lufmenge und die besonderen Belastungen maximal 20-30 Minuten, danach ist der Trupp durch einen anderen abzulösen.

Der erste unter Chemikalienschutz- anzügen vogehende Trupp nimmt Schere und Spreitzer vor, um den eingeklemmten PKW-Fahrer befreien zu können. Die technische Hilfeleistung mit Schere und Spreitzer erfordert ein hohes Maß an Können und einen sicheren Umgang mit den Geräten. Die Kombination, technische Hilfleitung im GSG-Einsatz, stellt damit eine besonders schwere Lage dar und wurde erstmals mit den drei GSG-Einheiten gemeinsam geübt.

Nachdem die Fahrertür des PKWs gewaltsam geöffnet wurde, wird der Fahrer mit einer Trage zur Absperrgrenze gebracht und dem Rettungsdienst übergeben.

Das ebenfalls im PKW entdeckte Kind wird duch einen anderen Trupp unter CSA ebenfalls sofort zur Absperrgrenze gebracht und dem Rettungsdienst anvertraut.

Die Einsatzleitung bei der von Armin Pennartz und Frank Lauter vorbereiteten Übung hatte der Wehrleiter der Stadt Geilenkirchen, Stadtbrandinspektor Michael Meyer, übernommen. Bei der Einsatzleitung laufen sämtliche Informationen zusammen und von hier werden die umfassenden Maßnahmen koordiniert. Dazu wurde die Übung in mehrere Abschnitte aufgeteilt und für jeden Abschnitt ein Abschnittsleiter eingesetzt. Jeder Abschnitt hatte andere Aufgaben zu erfüllen, z.B. Menschenrettung, Vorbereitung von Geräten für die vorgehenden Angriffstrupps oder den Aufbau eines Dekontaminationsplatzes. Ein Dekontaminationsplatz dient dazu, die Chemikalien-schutzanzüge der Feuerwehrleute von Chemikalien, die sich

eventuell auf der Oberfläche der Anzüge befinden, zu reinigen. Erst nach dieser Reinigng dürfen die Feuerwehrleute den abgesperrten Gefahrenbereich verlassen.

Nachdem die Menschenrettung erfolgreich abgeschlossen war, galt es, den Schaden an der Umwelt durch die Gefahrgüter möglichst gering zu halten. Die größte Gefahr bestand darin, dass gefährliche Flüssigkeiten oder Gase in die Kanalisation eindringen können und dann die biologische Stufe der Kläranlage zerstören können oder an einer anderen Stelle wieder aus dem Kanalnetz austreten können.

Um das zu verhindern, wurde die Kläranlage über einen Gefahrgutunfall informiert und vier Kanaleinläufe mit "Elefantenfüßen" abgedichtet. Als "Elefantenfüße" werden scherzhaft die grauen Kanaldichtkissen bezeichnet, die mit Wasser gefüllt und auf die Einläufe gestellt werden. Durch das Gewicht des Wassers wird die Folie auf die Öffnungen gepresst und verhindert ein Endringen von Stoffen in den Kanal.

Währenddessen ging ein weiterer Trupp zur Identifizierung der vorhandenen Chemikalien vor. Da sich die Namen der Chemikalien oft nur durch einzelne Buchstaben unterscheiden, es sich dann aber um ganz andere Stoffe handelt, ist es erforderlich, dass jeder Stoffname über Funk buchstabiert wird. Bei der Fülle an Verpackungen ist dies ein langwieriger Prozess und es wurde noch ein weiterer Trupp unter Chemikalienschutzanzügen zur Erkundung vorgeschickt. Bei den

vorgefundenen Behältern handelte es sich aber nicht immer um Gefahrgüter, teilweise befanden sich auch völlig harmlose Materialien auf der Ladefläche. Die Aufgabe der Trupps bestand darin, diese Stoffe zu sortieren und möglichst nur die Bezeichnungen der Gefahrgüter durchzugeben. Diese Aufgabe ist natürlich sehr schwierig, da nicht alle Feuerwehrleute ausgebildete Chemi- ker sind. Ein Beispiel: Ist isotone Natriumchloridlösung gefährlich ?

Was ist Ringer-Lactat-Lösung? Beides ist völlig hamlos. Bromessigsäure hingegen ist ein staubformiger Stoff, der mit Luft explosiv ist, außerdem ist er giftig und ätzend.
Zur Ermittlung der von den chemischen Stoffen ausgehenden Gefahren stehen den Feuerwehrleuten umfangreiche Nachschlagewerke zur Verfügung. Bei dieser Gesamtübung kam auch ein Laptop mit Nachschlagewerken zum Einsatz, der die Suche erheblich beschleunigt. Der sichere Umgang mit den ständig aktualisierten

Verzeichnissen erfordert ein ständiges Training und war einer der Hauptschwerpunkte dieser Übung. Neben den Nachschlagewerken vor Ort können die Feuerwehrleute im Einsatz auch auf eine Informationsdatenbank bei der Kreisleitstelle zurückgreifen. Dies war im Rahmen dieser Übung nicht möglich, da die Leitstelle durch meherere zur selben Zeit laufende Einsätze gebunden war. Im Ernstfall ständen bei Bedarf auch Fachberater der Chemischen Industrie den Einsatzleitern zur Verfügung.

Der wichtigste Schwerpunkt bei dieser Übung bestand darin, die Zusammenarbeit der einzelnen GSG-Einheiten zu fördern und das bestehende GSG-Konzept in den Löscheinheiten weiter bekannt zu machen. Abschließend kann man sagen, dass die Übungsziele bestens erreicht wurden und die Zusammenarbeit reibungslos klappte.

 

Weitere Informationen zur Übung

Zeitungsartikel der Rur-Wurm Nachrichten

Zeitungsartikel der Geilenkirchener Zeitung