Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr wird unentgeltlich verrichtet

Zum Thema "Ehrenamt in der Freiwilligen Feuerwehr" äußert sich der stellvertretende Gemeindebrandmeister im Selfkant, Hauptbrandmeister Wilfried Boms:
Der Landtagsabgeordnete Franz-Josef Pangels berichtete anlässlich des diesjährigen Delegiertentages des Kreisfeuerwehrverbandes Heinsberg vom Ergebnis einer Umfrage. Danach gehen deutlich über 80 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger davon aus, dass die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren für ihren Dienst ein Entgelt erhalten. Das ist falsch! Der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr wird unentgeltlich verrichtet. Dies gilt sowohl für Übungen, Aus- und Fortbildung wie auch Einsätze.
Entgegen einer weit verbreiteten lrrmeinung erhalten die Feuerwehrangehörigen auch nicht etwa die Einnahmen der jeweiligen Stadt oder Gemeinde, die diese anlässlich von technischer Hilfeleistung zum Beispiel von Versicherern nach der Feuerwehrgebührenordnung vereinnahmt. Nicht nur, dass diese Einnahmen nicht den Feuerwehrangehörigen unmittelbar zufließen - nein: diese Gebühreneinnahmen sind noch nicht einmal zweckgebunden, das heißt sie können - und werden leider auch in der Regel - für völlig andere Aufgaben der Kommunen eingesetzt, nicht aber für den Bereich des Feuerschutzes. Es ist leider noch nicht einmal zwingend sichergestellt, dass aus diesen Einnahmen Geräte, die bei Einsätzen beschädigt werden, repariert beziehungsweise ersatzbeschafft werden.

Die Kommunen zahlen - dies soll nicht verschwiegen werden - anlässlich von Einsätzen einen Betrag in Höhe von 3 Mark, der in vielen Feuerwehren jedoch nicht den einzelnen eingesetzten Kameraden ausgezahlt wird, sondern der Gemeinschaftskasse zugeführt wird. Aus dieser werden nicht selten persönliche Ausrüstungsgegenstände oder Gerätschaften angeschafft, die so wiederum den Feuerschutz in der Kommune stärken.

Münzen

Jeder Leser mag sich fragen, ob er bereit wäre, für 3 Mark je Stunde des nachts aus dem Bett zu springen, sich bei Wind und Wetter zur Einsatzstelle zu begeben und dort eventuell sogar unter Einsatz von Leib und Leben anderen zu helfen. Die Antwort dürfte nahezu einheitlich ausfallen: Das äußerst geringfügige Einsatzgeld kann, selbst wenn es dem einzelnen Feuerwehrangehörigen zugute kommen würde, nicht ausschlaggebend für den freiwilligen Feuerwehrdienst zum Wohle der Bevölkerung sein. Es sind eher Idealismus und positive Grundeinstellungen, die Bereitschaft, sich auch ohne Gegenleistung für andere einzusetzen, prägend und entscheidend für das ehrenamtliche Engagement.
Dieses Bild ändert sich auch nicht, wenn man berücksichtigt, dass einige wenige Funktionsträger in einer Freiwilligen Feuerwehr, wie zum Beispiel Wehrleiter, Zug- oder Löschgruppenführer oder Maschinisten, eine als klein zu bezeichnende Aufwandsentschädigung von nur wenigen Mark im Jahr erhalten. Diese Zahlungen decken nicht einmal den tatsächlichen Aufwand des Funktionsträgers für dienstlich begründete Fahrten mit dem eigenen Pkw, Telefonate, Korrespondenz etc. ab, geschweige denn, dass auch nur ein Pfennig "übrig bleiben" könnte. Dabei ist von Münzeneinem Ausgleich für den hohen Verlust von Freizeit noch nicht einmal die Rede; erst recht wird nicht das Risiko und die ständige Einsatzbereitschaft mit berücksichtigt.
Ziel dieser Zeilen ist es, bei unseren Bürgerinnen und Bürgern die Erkenntnis zu wecken beziehungsweise zu fördern, dass der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr im Grundsatz unentgeltlich ist. Wenn der ein oder andere künftig beachtet, wenn er wieder die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz sieht oder, nachdem er selbst ausgeschlafen hat, davon hört, ist schon viel gewonnen. Die Angehörigen unserer Freiwilligen Feuerwehr verlangen keine hohe Vergütung, dürfen aber erwarten, dass ihr Engagement beachtet und geachtet wird.
Leserbrief in der Geilenkirchener Zeitung vom 23.08.01