Brand einer Lagerhalle löst Blausäure-Alarm aus


Beim Brand einer Lagerhalle für Kunststoffmaterialien in Geilenkirchen sind gestern gefährliche Gifte freigesetzt worden. Kurz nach Ausbruch des Feuers registrierte die Feuerwehr Nitrosegase sowie Blau- und Salzsäure in der Luft. Bei dem Brand, der kurz nach vier Uhr ausgebrochen war, entstand Sachschaden von mehreren 100000 Mark. Brandstiftung kann nach Angaben der Polizei nicht ausgeschlossen werden. Foto: Sven-Udo Seidel

Feuerwehren kämpften bis zur Erschöpfung gegen die Flammen
Bevölkerung nachts alarmiert - Brennender Kunststoff - Brandstiftung?


Millionenschaden beim Großbrand auf dem Industriegelände in Niederheid. Die Feuerwehren aus Geilenkirchen, Heinsberg und die Flugplatz-Feuerwehr der Nato waren im Einsatz.

Geilenkirchen-Niederheid: Großbrand im Geilenkirchener Norden: In der Nacht zum Mittwoch brannte eine Lagerhalle auf dem Gelände der ehemaligen Selfkantkaserne völlig nieder. 100 Feuerwehrleute waren über viele Stunden im Einsatz, um den Brand von Kunststoffteilen unter Kontrolle zu bringen.

Um 4.14 Uhr am Mittwochmorgen wurde bei der Freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchen Alarm geschlagen. In einer Lagerhalle der Firma ARTT (Gesellschaft für Analytische Recycling Technik Textil), ein Tochterunternehmen des Übach-Palenberger Betriebes SpanSet, waren Kunststoffreste in Brand geraten. Die Halle liegt in einem abgezäunten Teil des ehemaligen Kasernen-Geländes, das inzwischen für die Ansiedlung von Unternehmen freigegeben wurde. Aus bislang ungeklärter Ursache - die Ermittlungen der Brandexperten der Kriminalpolizei dauern noch an - fingen die in Metallcontainern gelagerten Kunststoffreste Feuer. Da die Halle weder über eine Stromversorgung verfügte, noch Verbrennungsmotoren dort stehen, könnte auch Brandstiftung in Frage kommen.
"Die Züge I bis III aus Geilenkirchen sind im Einsatz", erklärte noch in dieser Nacht Josef Gerads, stellvertretender Stadtbrandmeister. Dazu rückten die Meßwagen aus Hückelhoven und Dremmen an. Neben der Geilenkirchener Drehleiter war auch die aus Heinsberg vor Ort.

"Schaumangriff"

Unter Atemschutz bekämpften die Wehrleute bis in die Morgenstunden hinein das Feuer. Viele von ihnen waren die ganze Zeit ständig im Einsatz gewesen, die Spuren von Erschöpfung zeigten sich aber erst bei Tagesanbruch.
Während schon gegen 7 Uhr gestern morgen ein Bagger mit ersten Aufräumarbeiten begann, wurden immer noch kleinere Brandherde gelöscht. Einsatzende war schließlich um 11.30 Uhr.
"Die Kunststoffreste haben uns Probleme bereitet, deshalb haben wir auch die Flugplatzfeuerwehr der Nato-Air-Base alarmiert", sagte Stadtbrandmeister Christian Plum.
Diese rückte sogleich auch mit acht Leuten und zwei Fahrzeugen mit einem großen Schaumvorrat an und erstickte die Flammen mit einem "Schaumangriff". Dies sei nötig gewesen, um den brennenden Kunststoff schnellstmöglich abzulöschen, aber auch um die enorme Rauchentwicklung einzudämmen, erklärte Schichtführer Konrad Schlösser.
Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurde noch in der Nacht Alarm ausgelöst und die Bevölkerung im Ortsteil Rischden, später auch in Tripsrath und Straeten, vorsichtshalber gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Die ständigen Messungen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der beiden angeforderten Feuerwehrfahrzeuge haben jedoch ergeben, daß in den Wohngebieten für die Bevölkerung keine meßbaren Gefahren bestanden haben. So wurde in den betroffenen Orten bald wieder Entwarnung gegeben.

Dioxin wurde nicht gemessen
10 000 Liter belastetes Löschwasser pro Minute angefallen

Daß bei dem Brand der Halle in Niederheid auch Dioxine und Furane freigesetzt wurden, ist nach Meinung der Feuerwehr eher unwahrscheinlich. Dioxine und Furane gehören zu den gefährlichsten Umweltgiften überhaupt. "Diese Gifte entwickeln sich jedoch hauptsächlich bei Schwelbränden, wenn zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht. Das war bei dem Brand in Niederheid jedoch nicht der Fall", gab Hauptbrandmeister Theo Görtz, zuständig für die Auswertung der Meßergebnisse, eine Einschätzung. Er machte allerdings die Einschränkung, daß die Messungen erst 20 Minuten nach Ausbruch des Brandes begonnen haben. Richtwert bei der Schadstoffmessung ist die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK). Bei den Messungen Richtung Straeten und an der B 221 wurde dieser Wert unterschritten, in der Nähe des Brandherdes waren die Wehrmänner der fünf- bis zehnfachen zulässigen Konzentration ausgesetzt. Die Einsatzkleidung der 40 Wehrmänner, die in unmittelbarer Nähe des Brandherdes eingesetzt waren, muß wohl als Sondermüll entsorgt werden. Auch die Kunststoffreste in der Halle gelten als Sondermüll.
Beim Löschwasser hatte die Feuerwehr mehr Glück. Zunächst wurden die Kanäle luftdicht verschlossen, und das Löschwasser sammelte sich in einer Mulde. Nach kurzer Zeit waren die Kanäle umgeschiebelt, so daß die Kläranlage in Flahstraß nicht mehr belastet werden konnte. Das Wasser floß in ein Regenrückhaltebecken der stillgelegten Anlage zwischen Trips und Süggerath. Ansonsten hätte die Feuerwehr eine Wassersperre rund um das Feuer legen müssen, und das anfallende belastete Wasser - immerhin 10 000 Liter pro Minute - hätte in Tanklastwagen einer Entsorgungsfirma gepumpt werden müssen. aus: Rur-Wurm Nachrichten vom 06.03.97

Blausäure   Zitiert

In der Halle der Recycling-Firma waren Kunststoffe, darunter auch PU-Schaum und Polyester, gelagert. Die Meßtrupps der Feuerwehr stellten in der Luft Nitrose-Gase in Verbindung mit Blausäure fest. Die pH-Werte im Löschwasser lagen bei 12, waren also stark basisch..

 

"Man kann sehr froh sein, daß es nicht zu Personenschäden gekommen ist. Die Warnung der Bevölkerung hat zum Glück hervorragend geklappt." Heinz Houben, Stadtdirektor von Geilenkirchen und Chef der Freiwilligen Feuerwehr.