Feuerwehr schnell und effektiv:
Großeinsatz klappte reibungslos
Brand im Gewerbegebiet hätte schlimmere Folgen haben können

Geilenkirchen: Nach dem Großfeuer in dem kunststoffverarbeitenden Betrieb "ARTT-Recycling" im Gewerbegebiet Fürthenrode können die Anwohner aufatmen. Sie haben Glück gehabt. Brennende Polyäthylen-Schäume und weitere Kunststoffe hatten gefährliche Gifte freigesetzt. Wegen der trockenen Witterung und dem leichten Westwind wurde der giftige Rauch abgetrieben und löste sich schnell auf. Bei Regen wäre die Schadstoffwolke in der näheren Umgebung niedergegangen. An der Brandstelle wurden Schadstoffkonzentrationen in der Luft gemessen, die zehnfach höher waren als die erlaubten Werte


Lagebesprechung während des Großbrandes: Stadtdirektor Heinz Houben, der neue Stadtbrandmeister Michael Meyer und Hauptbrandmeister Gerhard Ramacher

Dazu gehörten Blausäure, Salzsäure und Nitrosegase. Andere Gifte wie beispielsweise Dioxine und Furane wurden nicht gemessen. Dank des schnellen Eingreifens der Feuerwehren konnte die Gefahr für die Bevölkerung gering gehalten werden. Die Koordination zwischen den einzelnen Löscheinheiten und Wehren klappte reibungslos. Dabei kam vielen Wehrleuten ein besonderer Umstand zu Hilfe: Am 30.September 1996 fand auf dem Betriebsgelände der Firma ARTT eine großangelegte Zugübung statt. Schon damals warnte die Feuerwehrführung der Stadt: "Wir können nur hoffen, daß es hier niemals brennt". Der Übungsplan sah vor, daß im Ernstfall unverzüglich Meßeinheiten zu Schadstoffmessungen in Luft und Wasser, Atemschutz und Schaumstoffcontainer angefordert werden müßten. Auch seien die Untere Wasserbehörde und das Ordnungsamt zu verständigen. Sämtliche Behörden sowie Geilenkirchens Stadtdirektor Heinz Houben als Chef der Feuerwehr waren am Mittwochmorgen vor Ort. Nach Messungen in unmittelbarer Nähe des Brandherdes wurde festgestellt, daß der PH-Wert im Löschwasser etwa bei 10 lag. Der normale PH-Wert (Säuregehalt) von Wasser beträgt 7. Die Wehrleute dichteten die Gullis ab, damit das chemisch verunreinigte Wasser nicht in die Kanalisation fließen konnte. Nachdem das Feuer unter Kontrolle war, entfernte man die Abdichtung. Das kontaminierte Wasser wurde danach in ein separates Auffangbecken der Kläranlage in Flahstraß umgeleitet. Die Firma ARTT verarbeitete Polyäthylen-Schaumstoffe aus der Autoindustrie. Aus dem Recyclingmaterial wurden Dachbegrünungsmatten hergestellt. Die Firma hatte im Oktober 1996 Liquidation beim Amtsgericht beantragt, weil ein Großauftrag aus Australien storniert worden war. Es wurde kein Konkurs angemeldet. Die neugegründete Folgefirma "Aqua Phönix GmbH" hat den Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen. Geschäftsführer Dr. Walter Treuling dankte gestern im Namen des Unternehmens den beteiligten Feuerwehren für ihr schnelles und effektives Eingreifen. Dadurch sei eine Ausdehnung des Feuers verhindert worden. Immer wieder wagten sich Schaulustige trotz der Gefahren während der Löscharbeiten in die Nähe des Großfeuers auf das Firmengelände. Einige behinderten sogar die Feuerwehrleute. (g.s.) aus Geilenkirchener Zeitung vom 07.03.97