Großbrand im Gewerbegebiet:

Polizei warnte vor Giftgas-Wolke
20 Meter hohe Flammen - 120 Wehrleute im Einsatz - Brandstiftung?

Auch über Drehleitern bekämpften die Feuerwehrleute den Großbrand im Geilenkirchener Gewerbegebiet Fürthenrode. Beim Eintreffen der Wehren schlugen die Flammen haushoch. (g.s.)

Einem Großbrand fiel in der Nacht zum Mittwoch die komplette Lagerhalle einer Recycling-Firma im Gewerbegebiet Fürthenrode in Geilenkirchen-Niederheid zum Opfer. Dabei entstand ein Sachschaden von mindestens einer halben Million Mark. In der etwa 100 Meter langen und 40 Meter breiten Halle auf dem ehemaligen Gelände der Selfkantkaserne lagerten große Mengen Polyesterschaum. Die Firma ARTT hat Anfang November 1996 beim Amtsgericht Geilenkirchen Konkurs angemeldet. aus Geilenkirchener Zeitung vom 06.03.97

Geilenkirchen: Das Unternehmen beschäftigte sich mit der Wiederverwertung und Aufbereitung von Schaumstoffen aus der Autoindustrie. Das Endprodukt -Begrünungsplatten für Dächer- wurde hauptsächlich ins Ausland verkauft.
Gegen 4.20 Uhr hatten Anwohner, durch lautes Knallen wachgeworden, Polizei und Feuerwehr alarmiert. Explosionsartig verbreiteten sich die Flammen in der riesigen Halle. Die Männer der Löscheinheit Geilenkirchen waren um diese Zeit am Gerätehaus, denn zuvor hatten sie einen Pkw-Brand am Fuchsberg gelöscht.
Als die ersten Löschfahrzeuge eintrafen, schlugen bereits 20 Meter hohe Flammen aus der Lagerhalle. Sofort wurde der gesamte dritte Zug, bestehend aus den Löscheinheiten Niederheid, Hatterath, Gillrath und Tripsrath, sowie die Löscheinheit Teveren nachalarmiert. Angefordert wurde zusätzlich die Drehleiter der Stadt Heinsberg. Aufgrund der Gegebenheiten am Brandort forderte die Einsatzleitung die Meßeinheiten aus Heinsberg- Dremmen und Hückelhoven an.

Drei Stunden nach dem Brand rollten Bagger an. Jetzt wurde das Ausmaß des Schadens sichtbar. Nur Trümmer blieben von der Halle übrig. Wegen der gefährlichen giftigen Rauchentwicklung mußten die Feuerwehrmänner mit Atemschutz vorgehen..

In der Lagerhalle hatte sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet.

Wegen der starken Rauchentwicklung mußten die Feuerwehrleute unter Atemschutz vorgehen. Wie sich später herausstellte, war das auch dringend nötig. Die Messungen im direkten Einsatzbereich ergaben Werte über dem zulässigen Normalbereich. Festgestellt wurden überhöhte Blau- und Salzsäurewerte sowie Nitrosegase. Die giftige Schadstoffwolke zog mit dem Wind in Richtung Heinsberg. Feuerwehr und Polizei veranlaßten vorsichtshalber frühzeitige Radiodurchsagen. Die Bevölkerung von Tripsrath, Rischden, Straeten und Hochheid wurde zudem durch Lautsprecherdurchsagen der Polizei aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Messungen im weiteren Umfeld, in Höhe der Bundesstraße 221, schlossen allerdings später eine Gefahr durch Giftgase aus. Zur schnelleren Brandbekämpfung wurde zusätzlich die Awacs-Feuerwehr alarmiert. Während die insgesamt 120 Feuerwehrleute mit mehreren B-Rohren und zwei Wenderohren über die Drehleitern Geilenkirchen und Heinsberg das Feuer bekämpften, galt es, die gegenüberliegende Lagerhalle und das Fabrikationsgebäude vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen. Die beiden 12000-Liter Flugfeldlöschfahrzeuge der Nato-Fire-Brigade setzten 1600 Liter Schaum ein. Die Nato und die Bundesrepublik haben ein Abkommen über die gegenseitige unentgeltliche Hilfeleistung, das "memorandum of agreement". Nach knapp zwei Stunden war der Brand unter Kontrolle.
Die weiteren Nachlösch- und Aufräumarbeiten dauerten allerdings noch bis gestern nachmittag. Frühzeitig hatten die Wehrleute die Abwasserkanäle mit "Gullikissen" abgedichtet, um das Einfließen größerer Mengen von kontaminiertem Wasser in die Kanalisation und eine Gefährdung der biologischen Kläranlage Flahstraß zu verhindern.
In der Kläranlage wurden noch in der Nacht Wasser-Messungen vorgenommen. Das kontaminierte Wasser am Brandort schöpften die Männer ab und füllten es in Spezialbehälter, die entsorgt werden. Noch in der Nacht machten sich Stadtdirektor Heinz Houben, Beigeordneter Hubert Paggen und der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Karl Heinz Gromes ein Bild vom Ausmaß des Brandes. Insgesamt waren 23 Fahrzeuge aus 11 Löschgruppen im Einsatz. Die Leitung hatten anfangs Unterbrandmeister Roland Troschke, später Stadtbrandmeister Christian Plum und sein Stellvertreter Josef Gerads. Die Brandursache war gestern noch unbekannt.
Brandstiftung ist nach Auskunft der Polizei nicht auszuschließen. Die Kriminalpolizei ermittelt.
aus: Geilenkirchener Zeitung vom 06.03.97