«Kyrill» hält die Wehr in Atem

Kreis Heinsberg. Wie in allen Teilen des Landes so hat das Orkantief «Kyrill» auch die Feuerwehrleute im Kreis Heinsberg am Donnerstag in Atem gehalten. In einer ersten Bilanz berichtete Thomas Kähler, der Leiter von Leitstelle und Feuerschutzzentrum des Kreises Heinsberg in Erkelenz, gegen 20.30 Uhr von rund 130 Einsätzen kreisweit.

Los ging es exakt um 11 Uhr mit dem ersten Alarm in Hückelhoven-Doverhahn. Meldungen über Verletzte gab es bis zum späten Nachmittag nicht. In vielen Fällen handelte es sich bei den Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr um so genannte Bagatellsachen. Äste oder Bäume waren auf Straßen gelandet. Schilder oder Reklametafeln wurden vom Sturm mitgerissen. In Waldfeucht wurde ein Trampolin in einen Baum geweht.

Aber es gab auch Sachschäden: In Erkelenz-Katzem waren Dachpfannen eines Hauses abgedeckt worden. In Geilenkirchen-Teveren hatte der Sturm einen Baum entwurzelt. Dieser fiel auf ein zweigeschossiges Mehrfamilienhaus. Ein Teilbereich des Daches wurde stark beschädigt, ebenso wie der Gartenzaun. Die Feuerwehr rückte mit Motorsägen an, um den Baum zu zerlegen.

Oberleitung zerstört

Aufgrund eines Sturmschadens musste die Bahnstrecke Aachen - Mönchengladbach am Nachmittag für mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Gegen 13.20 Uhr hatte eine Windböe in Höhe des Bahnübergangs Zweibrüggen in Übach-Palenberg eine Kastanie abgeknickt. Der Baum fiel auf die Oberleitung der Fahrstrecke in Richtung Aachen und zerstörte diese.

Die Löschgruppe Frelenberg sowie zwei Beamte der Bundespolizei sicherten die Unglücksstelle ab, bis der Notfallmanager der Deutschen Bahn eintraf. Ein Bautrupp der Bahn begann gegen 14.30 Uhr mit den Reparaturarbeiten an der Oberleitung.

Etwa zu diesem Zeitpunkt krachte neben einem Heim für Demenzkranke im Übach-Palenberger Stadtteil Frelenberg ein vom Sturm abgerissener dicker Ast mit voller Wucht auf einen Nissan Micra. Die Kräfte der Löschgruppe Scherpenseel rückten dem Baum mit drei Motorsägen zu Leibe. Nach einer Stunde war das Auto wieder «befreit», es entstand jedoch Totalschaden.

Vorzeitig Schulschluss

Was die Schüler sonst meist nur bei großer Hitze in den Sommermonaten erleben dürfen, wurde ihnen am Donnerstag durch die massiven Sturmwarnungen zuteil - vorzeitiger Schulschluss, so beispielsweise am Kreisgymnasium in Heinsberg. Nach der fünften Stunde seien die Kinder am Kreisgymnasium nach Hause geschickt worden, bestätigte Annegret Krewald, die Leiterin der Schule.

«Wir wurden schon morgens durch Anfragen von Schülern und Eltern eingedeckt», erklärte die Pädagogin. Daraufhin sei das Schulministerium konsultiert worden. Gegen 10 Uhr erfolgte dann der Rückruf, wonach den Schulleitern die Entscheidung überlassen wurde, ob und wann die Kinder nach Hause geschickt werden sollten.

«Wir haben uns vergewissert, dass auch genügend Busse zum Transport zur Verfügung standen. Die Lehrer blieben so lange in der Schule, bis sichergestellt war, dass jedes Kind wohlbehalten nach Hause konnte.»

Sollte die Wetterlage am Freitag noch unverändert sein, bliebe es den Eltern überlassen, ob sie ihre Sprösslinge wieder auf den Schulweg schickten oder nicht, so Krewald.

Absagen

Auch die Organisatoren von verschiedenen Veranstaltungen, die am Donnerstag geplant waren, hatten sich kurzfristig zu Absagen entschlossen: So fiel eine Veranstaltung von Kreissparkasse und Werbegemeinschaft in Wegberg aus. Das Konzert der Kreismusikschule Heinsberg in der Erkelenzer Leonharskapelle konnte nicht stattfinden. Und auch der Bezirksausschuss Lövenich, der sich in der Alten Schule in Katzem treffen wollte, tagte nicht.

aus Geilenkirchener Zeitung vom 19.01.2007
Foto: Georg Schmitz