Geschichte

 

Das Feuerlöschen im 18. und 19. Jahrhundert war tatsächlich wenig effektiv. Etwa ab 1770 wurden von den Städten und Gemeinden sogenannte Amtswehren gebildet, die meist nur aus dem Bürgermeister als Leiter und den Polizeidienern als Helfern bestanden. Löschgeräte standen - zumindest in unserer Region - noch nicht zur Verfügung.

Eine erste Reglementierung erfuhr das Feuerlöschwesen in unserem Bezirk durch die "Feuerordnung für den Regierungsbezirk Aachen vom 2.9.1833". Hierin war festgelegt, wer generell zur Hilfeleistung verpflichtet und wie diese im Einzelfall zu erbringen war.

Auch nachdem die preußische Regierung mit Gesetz vom 11. März 1850 den Städten und Gemeinden die Verpflichtung auferlegte, für Einrichtungen zu sorgen, durch die ein Brand wirksam bekämpft werden konnte, vergingen noch Jahrzehnte, bevor eine wirksame Organisation des Feuerlöschwesens aufgebaut wurde. Fehlende Finanzmittel verhinderten damals - wie oftmals auch heute - die Umsetzung von Erkanntem und Wünschenswertem. Im Haushalt der Stadt Geilenkirchen für das Jahr 1884 betrugen die Ansätze für den Feuerschutz z.B. 200 Reichsmark für Unterhaltungskosten an Löschgeräten, 150 Reichsmark für die jährliche Feuerschau und 365 Reichsmark für sonstige Ausgaben des Feuerlöschwesens. (entnommen "Geilenkirchener Volkszeitung" vom 14.11.1983 nach einer Recherche von Stadtkämmerer a.D. Matth. Köhlen)
So blieb der Feuerschutz noch lange Jahre weitgehend "Privatsache" der Bürgerinnen und Bürger, die sich im Wege der Nachbarschaftshilfe beistanden.
Eine öffentliche Wasserversorgung war in unserem ländlichen Bereich noch nicht vorhanden. Diese wurde in den Ortslagen Tripsrath, Hochheid und Rischden erst in 1928/29 installiert. Die Wasserentnahme erfolgte in dieser Zeit aus Dorfteichen oder sonstigen Wasserspeichern.
Kein Wunder, daß die Chronisten jener Zeit vielfach von schweren Schadensfällen mit erheblichen materiellen Verlusten berichten mußten.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Tripsrath

Im Jahre 1890 nahmen in Geilenkirchen mutige Bürger nach einem Großbrand im Ursulinenkloster die Verbesserung des Feuerschutzes selbst in die Hand und gründeten in Form eines "Idealvereins" eine Freiwillige Feuerwehr. Dieser Verein fand bald Anerkennung und Unterstützung der städtischen Behörden, obwohl anfänglich die Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen und Dienstkleidung selbst bezahlt werden mußte.
Finanzielle Unterstützung fand die neu gegründete Feuerwehr zunächst im wesentlichen von den Feuerversicherungsträgern. Die Feuerwehr Geilenkirchen wurde in den Jahren 1897 bis 1907 auch nach Tripsrath zur Hilfeleistung gerufen. Es ist jedoch verständlich, daß solche Einsätze wegen der räumlichen Entfernung (einige Kilometer) und der fehlenden Motorisierung allein aufgrund des Zeitverzuges nur bedingt erfolgreich sein konnten.
Gleichwohl dauerte es noch bis zum Jahre 1911, bevor die Notwendigkeit eines organisierten Feuerschutzes auch in Tripsrath einsichtig wurde.

Am 1. November 1911, dem offiziellen Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Tripsrath, gelang es schließlich als Abschluß einer längerfristigen Werbekampagne, genügend Leute für eine Löschgruppe Tripsrath zu organisieren.
Einige Jahre vorher war ein ähnlicher Gründungsversuch gescheitert.
Zum 1. Wehrführer wurde Herr Peter Josef Krückels gewählt. Als weitere Gründungsmitglieder sind namentlich bekannt: Peter Wolff, Matthias Derichs und Anton Rinkens. Authentische Aufzeichnungen über die damalige Personalstärke der Löscheinheit liegen nicht vor.
Die neu gegründete Feuerwehr Tripsrath schloß sich der Freiwilligen Feuerwehr der Bürgermeisterei Geilenkirchen an und übernahm auch die dort bestehende Satzung.
Hierin waren nicht nur die Übungszeit und Strafgelder bei unentschuldigtem Fernbleiben, sondern auch ein eigenes "Exerzierreglement" und eine "Kleiderordnung" festgeschrieben.
Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden viele Feuerwehrleute zum Wehrdienst eingezogen. Hierdurch kam der Feuerwehrdienst zwangsläufig weitgehend zum Erliegen.

Führungswechsel

Im Jahre 1920 übergab Wehrführer Peter Josef Krückels die Leitung der Löscheinheit an Brandmeister Johann Drießen. Im Jahre 1925 wird die Löschgruppe Tripsrath als II. Lösch(halb)zug der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Geilenkirchen geführt und feiert zur Sommerkirmes in Tripsrath ein großes Löschzugfest.
Im Jahre 1927 nimmt der Löschzug II, dem außerdem die Kameraden der Löscheinheit Gillrath angehörten, am Kreisverbandsfest in Scherpenseel teil.
Im Jahre 1928 werden die Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr der Bürgermeisterei Geilenkirchen von Brandmeister Drießen bei der Teilnahme am Provinzial-Verbandsfest in Rheydt angeführt.
Die Ausrüstungsgegenstände der Löschgruppe Tripsrath werden sugzessive durch Neuanschaffungen verbessert. Regelmäßig wird von jährlich durchgeführten Alarmübungen berichtet, bei denen im Jahre 1929 erstmals die Löschabteilungen aus Gillrath und Tripsrath zu einer Alarmübung in Hünshoven mittels Auto herangeführt werden.

1933 bis 1945 - die Zeit des dritten Reiches

Von den ab 1933 eingetretenen politischen Veränderungen blieb auch die Feuerwehr nicht unberührt. Ab dem Jahr 1934 tritt die Feuerwehr der Stadt Geilenkirchen - entsprechend einer neuen gesetzlichen Bestimmung - als eingetragener Verein auf. Gleichzeitig wird sie neu gegliedert. Die bisherige Abteilung "Tripsrath" wird zum eigenständigen Löschzug II erhoben.
Auch personelle Änderungen zogen diese wirren Zeiten nach sich. Der bisherige Ortsbrandmeister Johann Drießen übernimmt andere öffentliche Aufgaben.
Die Führung der Freiwilligen Feuerwehr Tripsrath wird Herrn Fritz Hackemüller übertragen, der 1938 an der Feuerwehrschule Koblenz einen Brandmeisterlehrgang erfolgreich absolviert.
Als Erfreuliches aus dieser Zeit ist die Verbesserung der Unterbringung und Ausrüstung zu vermelden. Im Jahre 1934 wurde in Tripsrath mit der Errichtung eines Gerätehauses mit Steiger- und Schlauchtrockenturm begonnen. Dieses Gerätehaus wurde bis Mai 1990 genutzt.
Mit Ausbruch des II. Weltkrieges wurden bald große Lücken in den Reihen der Feuerwehr sichtbar. Immer mehr junge Leute wurden zum Militärdienst einberufen. Die Personalnot wurde noch dadurch verschärft, weil der Feuerwehr neben dem Brandschutz auch der Feld- und Flurschutz übertragen wurde. Die Personalknappheit führte schließlich dazu, daß auf Stadtebene auch weibliche Kräfte organisiert wurden.
Mit Beginn des Luftkrieges, etwa 1940/41, war die Feuerwehr auch für den Luftschutz zuständig. In jedem Löschzug wurden ständige Bereitschaftsgruppen gebildet, die nach Bomben- oder Fliegeralarm Streifengänge durchzuführen hatten. Als unsere Heimat zum Kriegsschauplatz wurde, hieß es für die wenigen verbliebenen Feuerwehrleute fast Tag und Nacht einsatzbereit zu sein. Für die Kameraden galt es, Verletzte zu retten, Brände zu löschen und bedauerlicherweise auch Tote zu bergen. Die Ausrüstung der Feuerwehr Tripsrath war inzwischen durch eine Tragkraftspritze 8/8 mit Anhänger verstärkt worden. Diese mußte allerdings bei der Zwangsräumung am 29.9.1944 zurückgelassen werden und ging verloren.

Neuaufbau der Feuerwehr

Nach der Rückkehr aus den Evakuierungsorten standen zunächst alle vor dem Nichts. Feuerwehren waren vorläufig verboten, weil diese von den Besatzungsmächten als militärische Einrichtung eingestuft wurden. Die Kraft der Einwohner war für den Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser und Stallungen gebunden.
Erst im Jahre 1947 gelang es, aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Feuerwehrkameraden und junge Leute für einen Neuanfang zu motivieren. Brandmeister Fritz Hackemüller verzichtete auf die weitere Führung der Löscheinheit, die damals nach den Richtlinien der Besatzungsmacht eine Stärke von höchstens 18 Personen haben durfte.
Zum neuen Wehrführer wurde Brandmeister Josef Kohnen gewählt.
Die Ausrüstung bestand anfangs nur aus einigen Schlauchlängen und den nötigsten Armaturen. Ausgediente Uniformröcke und schwarz lackierte Helme der Polizei stellten die persönliche Ausrüstung dar.
Mit viel Improvisation wurde in diesen Jahren der Feuerschutz sichergestellt. So wurden in den Orten Hochheid und Rischden kleine Geräteschuppen gebaut. Hierin fand ein Schubkarren mit einigen Schlauchlängen und den notwendigen Armaturen für einen Sofortangriff Platz.
Erst im Jahre 1957 wurde die Feuerwehr Tripsrath mit einem Feuerlöschanhänger ausgerüstet, der aber noch zur Einsatzstelle mit Hilfe anderer Fahrzeuge gezogen werden mußte.
Das erste motorisierte Feuerwehrfahrzeug erhielt die Löschgruppe Tripsrath im Jahre 1960. Aus einem alten Krankenwagen, der zuvor bereits als Wehrmachtsfahrzeug in Dienst gestanden hatte, bauten die Feuerwehrkameraden in Selbstarbeit ein funktionstüchtiges Einsatzfahrzeug.
Das Fahrzeug bot Platz für die Mannschaft und enthielt zusätzliche Fächer für Schlauchmaterial und verschiedene Armaturen. Weiterhin konnte hiermit der vorhandene Löschanhänger mit der weiteren Ausrüstung zur Einsatzstelle gezogen werden.
Am 27.3.1961 verstarb plötzlich und unerwartet Brandmeister Josef Kohnen, der durch seinen aufrechten Charakter, sein hohes Pflichtbewußtsein und seine unverbrüchliche Kameradschaft für alle Feuerwehrkameraden ein Vorbild war.

Fortschreitende Technisierung - neue Aufgaben für die Feuerwehr

Der Tod von Brandmeister Josef Kohnen traf die Löscheinheit mitten in den Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten aus Anlaß des 50jährigen Bestehens, die vom 23. bis 25.9.1961 stattfanden.
Zum neuen Löschgruppenführer wurde Brandmeister Josef Esser gewählt. Ab dem Jahre 1964 beteiligte sich die Löschgruppe auch an den auf Kreisebene durchgeführten Leistungswettbewerben. Hierbei hatte sie Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen und platzierte sich im Jahre 1967 als beste Gruppe auf Kreisebene.
Ende 1966 übernahm Brandmeister Heinz Jansen die Führung der Löscheinheit, nachdem Brandmeister Josef Esser dieses Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt hatte.
Am 9.4.1967 konnte die Löscheinheit ein brandneues, typengenormtes Feuerwehrfahrzeug (TSF) in Benutzung nehmen.
Weil der Peronenbestand der Feuerwehr Tripsrath durch altersbedingte Abgänge und Todesfälle erheblich gesunken war, wurde fortan verstärkte Nachwuchswerbung betrieben. Im Jahre 1968 gelang es, mit 9 Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren eine Jugendgruppe aufzubauen.
Die technische Ausrüstung der Löscheinheit wurde in den folgenden Jahren stetig verbessert. Funkgesteuerte Sirenenalarmierung, Funkausrüstung auf dem Feuerwehrfahrzeug, umluftunabhängiger Atemschutz mögen hierfür nur einige Schlagworte sein.
Die Aufgaben der Feuerwehr hatten sich inzwischen wesentlich geändert und erforderten von den Feuerwehrkameraden eine laufende Aus- und Fortbildung. Während früher die Feuerwehr meist nur zu Brand- oder Hochwassereinsätzen gerufen wurde, häuften sich nunmehr technische Hilfeleitungen in den verschiedensten Lebenssituationen, wobei die Löscheinheit häufig auch zu überörtlichen (teils sogar in den benachbarten Niederlanden) angefordert wurde.
Im September 1983 übergab Oberbrandmeister Heinz Jansen die Leitung der Löscheinheit an seinen bisherigen Stellvertreter, Brandmeister Josef Paulus.

Neues Gerätehaus

Den Ansprüchen an eine Feuerwache genügte unser bisheriges Gerätehaus aus dem Jahre 1934 schon lange nicht mehr. Bedrückende Enge herrschte, wenn die Einsatzmannschaft sich bei einer Alarmierung mit persönlicher Ausrüstung versorgte. Insbesondere in den Wintermonaten gehörte viel Improvisation dazu, die Gerätschaften jederzeit einsatzbereit zu halten.
Träume gingen in Erfüllung, als die Löscheinheit am 5.5.1990 feierlich ihr neues Gerätehaus übernehmen konnte.
Zugleich mit der Einweihung des neuen Gerätehauses konnte die Löscheinheit auch ein größeres Löschfahrzeug in Benutzung nehmen. Dieses Löschfahrzeug (LF 16-TS) war zwar bei weitem nicht neu, bot aber einer gesamten Löschgruppe Platz. Darüberhinaus konnten größere Mengen an Schlauchreserven und Rettungsgeräten mitgeführt werden. Desweiteren wurde ein Katastrophenschutzfahrzeug zur Trinkwasseraufbereitung im neuen Gerätehaus untergebracht.
Um den weiterhin bestehenden Personalsorgen im Stadtgebiet entgegenzutreten, gründete die Stadt Geilenkirchen im Jahre 1992 eine Jugendfeuerwehr, welche auch in Tripsrath seitdem wieder erfolgreich den Nachwuchs für die Feuerwehr sicherstellt.
Im Jahre 1994 wurde schließlich das Katastrophenschutzfahrzeug durch ein MTW ersetzt, um die Beförderung aller Einsatzkräfte sicherzustellen.
Am 21.03.1998 durfte sich die Löscheinheit Tripsrath über ein neues LF8/6 freuen. Dieses neue Fahrzeug ersetzte das in die Jahre gekommene LF-16-TS und brachte die inzwischen erforderlichen technischen Neuerungen, wie z.B. einen Rettungssatz, bestehend aus Schere und Spreizer, mit sich.
Einen altersbedingten Führungswechsel gab es am 7.5.2000 zu verzeichnen, als Oberbrandmeister Josef Paulus die Aufgabe des Löscheinheitsführers an seinen bisherigen Stellvertreter, Hauptbrandmeister Gerhard Ramacher, übergab. Stellvertretender Löscheinheitsführer wurde Kalle Ritterbex.